Teller Soljanka mit Schmand und einer Zitronenscheibe

Soljanka: Rezept für die säuerliche Wurstsuppe aus dem Osten

Kurzantwort: Soljanka braucht drei verschiedene Wurst- oder Fleischsorten, Gewürzgurken samt Gurkenwasser, Zwiebeln, Paprika, Tomate und Brühe. Alles wird angebraten, dann köchelt die Suppe rund 30 Minuten. Schmand und eine Zitronenscheibe kommen erst in den Teller.

Soljanka ist eine osteuropäische Suppe, die in Deutschland vor allem durch die Gastronomie der DDR bekannt wurde. Dort stand sie auf fast jeder Speisekarte, oft als Resteverwertung für angebrochene Wurstenden aus der Küche.

Der Name kommt vom russischen Wort für Salz. Genau darum dreht sich das Gericht: um die Verbindung von salzig, sauer und rauchig. Gewürzgurken, Kapern, geräucherte Wurst und Zitrone spielen dabei zusammen.

Wer Soljanka zum ersten Mal kocht, unterschätzt meist zwei Dinge — wie viel Säure die Suppe verträgt und wie sehr sie vom Ziehen profitiert. Beides steht unter dem Rezept.

Soljanka mit Jagdwurst und Gewürzgurken — das Rezept

  • Vorbereitung: 25 Min.
  • Garzeit: 35 Min.
  • Gesamt: 1 Std.
  • Ergibt: 6 Portionen
  • Pro Portion: 410 kcal

Zutaten

  • 300 g Jagdwurst
  • 200 g Kassler oder gekochter Schinken
  • 150 g geräucherte Mettwurst oder Cabanossi
  • 2 große Zwiebeln
  • 2 rote Paprikaschoten
  • 6 mittelgroße Gewürzgurken plus 150 ml Gurkenwasser
  • 2 EL Öl
  • 2 EL Tomatenmark
  • 1 Dose stückige Tomaten (400 g)
  • 1,2 l Fleisch- oder Gemüsebrühe
  • 2 Lorbeerblätter
  • 1 TL edelsüßes Paprikapulver
  • 1 EL Kapern (nach Geschmack)
  • Salz, schwarzer Pfeffer, 1 Prise Zucker
  • 200 g Schmand oder saure Sahne
  • 1 unbehandelte Zitrone

Zubereitung

  1. Alle Wurst- und Fleischsorten in feine Streifen von etwa fünf Zentimetern Länge schneiden. Gleichmäßige Streifen sind bei Soljanka wichtiger als bei anderen Suppen, weil man sie im Teller sieht.
  2. Zwiebeln in feine Halbringe schneiden, Paprika entkernen und in Streifen schneiden, Gewürzgurken in dünne Stifte.
  3. Öl in einem großen Topf erhitzen. Wurst und Fleisch portionsweise anbraten, bis die Ränder braun werden, dann herausnehmen.
  4. Zwiebeln im Bratfett glasig dünsten, Paprika zugeben und drei Minuten mitbraten.
  5. Tomatenmark einrühren und eine Minute mitrösten. Topf von der starken Hitze ziehen, Paprikapulver einrühren und sofort mit den Dosentomaten ablöschen.
  6. Brühe, Lorbeerblätter, Gurkenstifte und das Gurkenwasser zugeben. Aufkochen und 20 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen.
  7. Wurst und Fleisch zurück in den Topf geben und weitere zehn Minuten ziehen lassen. Kapern zugeben.
  8. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken. Lorbeerblätter entfernen. Jede Portion mit einem Löffel Schmand und einer Zitronenscheibe servieren.

Woher Soljanka kommt

Soljanka gehört zur russischen und ukrainischen Küche und ist dort in drei Grundformen bekannt: als Fleischsoljanka, als Fischsoljanka und als Pilzsoljanka. Gemeinsam ist allen die säuerlich-salzige Grundlage aus Salzgurken, Gurkenlake und Tomate.

In die deutsche Küche kam die Suppe über die DDR-Gastronomie. Die dort verbreitete Version arbeitet mit Wurst statt mit gekochtem Rindfleisch und ist damit deutlich schneller fertig. Diese Fassung steht in diesem Rezept.

Fisch- und Pilzsoljanka

Die Fischvariante arbeitet mit Stör, Zander oder Lachs und einer Fischbrühe. Sie wird deutlich kürzer gekocht, weil der Fisch sonst zerfällt, und kommt ohne Paprikapulver aus. Die Pilzsoljanka nutzt frische und getrocknete Pilze und ist die Fastenvariante des Gerichts. Beide teilen mit der Fleischversion die Grundlage aus Salzgurken, Lake und Tomate.

Der russische Name leitet sich von „sol“ für Salz ab. Manche Quellen führen ihn auch auf ein älteres Wort für Dorfsuppe zurück. Beide Deutungen passen zu dem, was im Topf landet.

Wie sie in die DDR kam

Über die Handelsbeziehungen zur Sowjetunion fand das Gericht in den fünfziger und sechziger Jahren seinen Weg in die Gaststättenküchen der DDR. Dort wurde es an das angepasst, was verfügbar war: Wurst statt gekochtem Rindfleisch, Gewürzgurken statt Salzgurken, Tomatenmark statt frischer Tomaten.

Diese Anpassung ist der Grund, warum die deutsche Soljanka in einer Stunde fertig ist, während die russische Fleischvariante eine ausgekochte Brühe voraussetzt. Beide Fassungen haben ihre Berechtigung, und die schnellere ist die verbreitetere.

Die Wurst: drei Sorten sind das Minimum

Eine Soljanka aus einer einzigen Wurstsorte schmeckt flach. Die Suppe lebt davon, dass sich milde, geräucherte und gepökelte Aromen überlagern. Bewährt hat sich diese Aufteilung:

Die milde Basis

Jagdwurst oder Fleischwurst liefert Volumen und bindet Fett. Sie wird beim Anbraten am Rand knusprig und bleibt innen weich.

Das Geräucherte

Mettwurst, Cabanossi oder Landjäger bringen die Rauchnote. Davon reicht wenig, sonst überdeckt der Rauch alles andere.

Das Gepökelte

Kassler oder gekochter Schinken sorgt für Biss und Salz. Wer Kassler nimmt, sollte die Suppe erst ganz am Ende salzen.

Was sich sonst noch eignet

Bockwurst, Debreziner, Bierschinken und Reste vom Braten funktionieren alle. Ungeeignet sind streichfähige Wurstsorten wie Teewurst oder Leberwurst, weil sie sich in der heißen Brühe auflösen und die Suppe trüben. Auch stark gewürzte Salami setzt sich geschmacklich zu sehr durch.

Verschiedene Wurstsorten auf einem Schneidebrett
Drei Wurstsorten sind das Minimum: eine milde, eine geräucherte, eine gepökelte. Foto: goodiesfirst, CC BY 4.0

Gurken und Gurkenwasser

Die Gewürzgurken sind kein Beiwerk. Sie liefern die Säure, die das Gericht ausmacht, und das Einlegewasser liefert sie in flüssiger Form. Einhundertfünfzig Milliliter sind ein guter Startwert für sechs Portionen.

Wichtig ist die Sorte: Gewürzgurken in Essigsud passen, süßsaure Cornichons und Senfgurken verschieben den Geschmack ins Süßliche. Salzgurken aus Milchsäuregärung sind die Variante, die dem Original am nächsten kommt.

Schneide die Gurken in Stifte statt in Scheiben. Stifte bleiben beim Köcheln erkennbar, Scheiben zerfallen und verteilen sich als Mus in der Suppe.

Wie viel Gurke ist richtig

Sechs mittelgroße Gewürzgurken auf sechs Portionen sind der Ausgangswert. Wer die Suppe säuerlicher mag, nimmt acht. Unter vier Gurken verliert das Gericht seinen Charakter und wird zu einer gewöhnlichen Wurstsuppe mit Tomate.

Sauerkraut als Ergänzung

In manchen Regionen kommt zusätzlich Sauerkraut in den Topf, in anderen ersetzt es die Gurken ganz. Es bringt Säure und Volumen mit und verschiebt den Geschmack deutlich. Ein bis zwei Handvoll, gut ausgedrückt und mitgekocht, sind ein guter Kompromiss für alle, die beides mögen.

Eingelegte Gewürzgurken in einem Glas
Das Gurkenwasser wandert mit in den Topf. Es ersetzt einen Teil des Salzes. Foto: grongar, CC BY 4.0

Die Reihenfolge im Topf

Zuerst Wurst und Fleisch, dann die Zwiebeln, dann die Paprika. Jeder dieser Schritte hinterlässt Röststoffe am Topfboden, die sich später in der Flüssigkeit lösen.

Das Tomatenmark kommt vor der Flüssigkeit in den Topf und röstet eine Minute mit. Das nimmt ihm die metallische Note. Direkt danach folgt das Paprikapulver, und sofort danach die Dosentomaten — Paprikapulver verbrennt in heißem Fett innerhalb von Sekunden und wird dann bitter.

Erst zum Schluss kommt die Brühe. Gurkenwasser und Gurken kochen mit, damit die Säure Zeit hat, sich zu verteilen.

Tomatenmark in einer kleinen Schale
Tomatenmark wird eine Minute mitgeröstet, bevor Flüssigkeit dazukommt. Foto: fishermansdaughter, CC BY 4.0

Abschmecken: Salz, Säure, Süße

Soljanka wird ganz zum Schluss abgeschmeckt, und in dieser Reihenfolge. Erst prüfen, ob genug Salz da ist — Kassler, Wurst und Gurkenwasser bringen viel mit, oft reicht es ohne Zusatz. Dann die Säure: Fehlt sie, kommt mehr Gurkenwasser dazu, nicht Essig.

Ist die Suppe zu sauer geraten, hilft eine Prise Zucker oder ein Löffel Tomatenmark. Beides bindet Säure, ohne die Suppe süß zu machen. Ein Schuss Sahne wirkt ähnlich, verändert aber die Farbe.

Die Zitronenscheibe im Teller ist Teil des Gerichts. Wer sie ausdrückt, verschiebt die Säure ins Frische. Wer sie liegen lässt, gibt nur wenig Aroma an die Suppe ab. Beides ist richtig.

Zitronenscheiben auf einem Brett
Die Zitronenscheibe ist Teil des Gerichts und keine Dekoration. Foto: Fumikas Sagisavas, CC0

Ziehen lassen und aufwärmen

Soljanka schmeckt am zweiten Tag besser als am ersten. Die Säure verteilt sich, die Rauchnote wird runder, und die Gurkenstifte geben noch Aroma ab. Plane sie deshalb ruhig als Vorkochgericht ein.

Im Kühlschrank hält sie in einem geschlossenen Gefäß drei bis vier Tage. Einfrieren geht ebenfalls, allerdings verlieren die Gurken dabei den Biss. Ohne Schmand einfrieren, sonst wird die Suppe beim Auftauen körnig.

Beim Aufwärmen langsam erhitzen und nicht sprudelnd kochen lassen. Schmand kommt immer erst in den fertigen Teller.

Warum Schmand in den Teller gehört

Milchsäurebakterien und Säure machen Schmand empfindlich gegen Hitze. In der kochenden Suppe gerinnt das Eiweiß und die Sahne flockt aus. Im Teller dagegen bleibt sie als weißer Klecks liegen, kühlt die Suppe leicht ab und lässt sich nach Geschmack unterrühren. Wer sie doch im Topf haben will, zieht ihn vorher von der Platte und rührt den Schmand mit einem Schneebesen ein.

Schmand in einer Schale mit Löffel
Schmand kommt in den Teller, nicht in den Topf. Foto: Silar, CC BY-SA 4.0

Die Brühe und die Menge Flüssigkeit

Soljanka ist eine dicke Suppe. Auf sechs Portionen gehören etwa 1,2 Liter Brühe, dazu kommen die Flüssigkeit aus den Dosentomaten und das Gurkenwasser. Am Ende steht ein Verhältnis, bei dem der Löffel fast stehen bleibt.

Welche Brühe du nimmst, ist zweitrangig, solange sie nicht zu salzig ist. Wurst, Kassler und Gurkenlake bringen schon viel Salz mit. Instantbrühe deshalb schwächer ansetzen als auf der Packung angegeben, sonst lässt sich am Ende nichts mehr korrigieren.

Wer eine eigene Brühe kocht, nimmt Rinderknochen und Suppengrün. Der Aufwand lohnt sich vor allem dann, wenn du die Suppe ohne Kassler kochst und ihr deshalb eine Grundlage fehlt.

Rote Paprikaschoten
Rote Paprika bringt Süße gegen die Säure der Gurken. Foto: 欸不是, CC0

Was dazu passt

Soljanka enthält Fleisch, Gemüse und Fett und braucht als Beilage nur Brot. Dunkles Roggenmischbrot passt am besten, weil sein leicht säuerlicher Ton die Säure der Suppe aufnimmt. Baguette funktioniert ebenfalls, verschwindet geschmacklich aber eher.

Als Getränk passt alles, was Säure verträgt: ein trockener Weißwein, ein herbes Bier oder schlicht Wasser. Süße Getränke arbeiten gegen das Gericht.

Für ein größeres Essen eignet sich Soljanka gut als Hauptgang nach einem kleinen Salat. Als Vorspeise ist sie zu mächtig, danach isst kaum jemand noch etwas.

Häufige Fragen

Welche Wurst gehört in Soljanka?

Mindestens drei Sorten: eine milde wie Jagdwurst, eine geräucherte wie Mettwurst und eine gepökelte wie Kassler oder Schinken.

Kommt Gurkenwasser wirklich in die Suppe?

Ja. Es liefert Säure und Salz. Einhundertfünfzig Milliliter auf sechs Portionen sind ein guter Ausgangswert.

Warum Schmand und nicht Sahne?

Schmand hat mehr Fett und mehr Säure und flockt in der heißen Suppe seltener aus. Saure Sahne funktioniert ebenfalls, wenn sie in den Teller kommt.

Kann ich Soljanka vegetarisch kochen?

Ja. Pilzsoljanka mit Champignons und Austernpilzen ist in Osteuropa eine eigene Variante. Räuchertofu ersetzt die Rauchnote.

Wie lange hält Soljanka im Kühlschrank?

Drei bis vier Tage in einem geschlossenen Gefäß. Sie gewinnt dabei an Geschmack.

Was passt als Beilage?

Dunkles Brot oder Baguette. Mehr braucht die Suppe nicht, weil sie Fleisch und Gemüse schon enthält.

Warum ist meine Soljanka bitter?

Meist ist das Paprikapulver in zu heißem Fett verbrannt. Es gehört bei reduzierter Hitze in den Topf und wird sofort abgelöscht.

Kann ich Soljanka einfrieren?

Ja, bis zu drei Monate. Ohne Schmand einfrieren und beim Auftauen langsam erwärmen. Die Gurken verlieren dabei etwas Biss.

Gehören Kapern in Soljanka?

In vielen Rezepten ja, verpflichtend sind sie nicht. Sie verstärken die salzig-säuerliche Richtung. Ein Esslöffel auf sechs Portionen ist genug.

Warum ist die Suppe zu salzig geworden?

Meist wegen Kassler, Wurst und Gurkenwasser zusammen. Mehr Brühe oder eine geschälte, mitgekochte Kartoffel mildern das ab.

Wie fein schneide ich Wurst und Gemüse?

In Streifen von etwa fünf Zentimetern Länge und zwei bis drei Millimetern Dicke. Gleichmäßige Streifen sind hier wichtiger als bei anderen Suppen, weil man sie im Teller sieht.

Quellen

Geschrieben von Clara, Redaktion geschmacksguru.com — sie schreibt hier über Rezepte, Zutaten und Küchentechnik.


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