Schale Misosuppe mit Tofuwürfeln und Frühlingszwiebeln

Miso Suppe: Rezept mit Dashi, Tofu und Wakame-Algen

Kurzantwort: Misosuppe besteht aus zwei Teilen: Dashi, einer Brühe aus Kombu und Bonitoflocken, und Misopaste, die erst nach dem Herdabschalten eingerührt wird. Auf einen Liter Dashi kommen drei bis vier Esslöffel Miso. Die Suppe darf danach nicht mehr kochen.

Misosuppe hat zwei Zutaten, die alles entscheiden, und einen Fehler, den fast jeder beim ersten Mal macht. Die Zutaten sind Dashi und Miso. Der Fehler ist, die Suppe nach dem Einrühren der Paste noch einmal aufkochen zu lassen.

Miso ist ein fermentiertes Erzeugnis. Seine Aromastoffe sind flüchtig, und die lebenden Mikroorganismen darin überstehen Siedehitze nicht. Eine gekochte Misosuppe schmeckt flach und salzig statt rund und würzig — der Unterschied ist deutlich.

Das Rezept unten ist die Standardversion mit Tofu und Wakame. Weiter unten stehen die Miso-Sorten, die vegane Dashi-Variante mit Shiitake, sieben Einlagen nach Jahreszeit und die Einordnung des Salzgehalts.

Misosuppe mit Tofu und Wakame — das Rezept

  • Vorbereitung: 10 Min.
  • Garzeit: 20 Min.
  • Gesamt: 30 Min.
  • Ergibt: 4 Schalen
  • Pro Portion: 110 kcal

Zutaten

  • 1 l Wasser
  • 10 g Kombu (ein Stück von etwa 10 x 10 cm)
  • 10 g Katsuobushi (Bonitoflocken) oder 2 getrocknete Shiitake für die vegane Variante
  • 3 bis 4 EL Misopaste (etwa 60 g)
  • 200 g Tofu
  • 1 EL getrocknete Wakame
  • 2 Frühlingszwiebeln
  • nach Wunsch 1 TL Sojasauce
  • nach Wunsch etwas geriebener Ingwer

Zubereitung

  1. Kombu mit einem feuchten Tuch abwischen, den weißen Belag aber nicht abwaschen — darin steckt viel Geschmack. In einem Topf mit dem kalten Wasser 30 Minuten einweichen, wenn die Zeit da ist.
  2. Topf langsam erhitzen. Kurz bevor das Wasser kocht, bei etwa 60 bis 70 Grad, den Kombu herausnehmen. Kocht er mit, wird die Brühe bitter und schleimig.
  3. Wasser aufkochen, vom Herd ziehen und die Bonitoflocken hineingeben. Zwei Minuten ziehen lassen, dann durch ein feines Sieb gießen. Die Flocken nicht ausdrücken. Für die vegane Variante ziehen stattdessen zwei getrocknete Shiitake 20 Minuten in der Kombu-Brühe.
  4. Wakame in kaltem Wasser fünf Minuten einweichen. Sie quillt auf etwa das Zehnfache auf, ein Esslöffel trocken reicht für vier Schalen. Abgießen und grob schneiden.
  5. Tofu in Würfel von etwa einem Zentimeter schneiden. Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden, das Grün beiseitelegen.
  6. Dashi wieder erhitzen, aber nicht kochen lassen. Tofu und Wakame hineingeben und zwei Minuten ziehen lassen, bis alles heiß ist.
  7. Topf vom Herd nehmen. Eine Kelle Brühe in eine kleine Schale geben, die Misopaste darin glatt rühren und diese Mischung in den Topf zurückgeben. Direkt in den Topf gerührt bleiben immer Klümpchen.
  8. Die Suppe darf ab jetzt nicht mehr kochen. Kurz umrühren, abschmecken und bei Bedarf mit einem Teelöffel Sojasauce nachwürzen.
  9. In Schalen füllen, mit dem Grün der Frühlingszwiebeln bestreuen und sofort servieren. Miso setzt sich beim Stehen ab — vor jedem Nachfüllen einmal umrühren.

Dashi: die Grundbrühe

Verpackte Kombu-Algen in einem Regal
Kombu wird nicht gekocht, sondern gezogen. Bei Siedehitze wird die Brühe bitter. Foto: Froggieboy, CC BY-SA 4.0

Was drin ist

Klassisches Dashi besteht aus zwei Zutaten: Kombu, einem getrockneten Braunalgen-Blatt, und Katsuobushi, hauchdünn gehobelten Flocken von getrocknetem, fermentiertem Bonito. Beide werden nur kurz ausgezogen, nicht gekocht. Die fertige Brühe ist klar, hellgolden und schmeckt für sich genommen fast nach nichts — sie entfaltet sich erst mit dem Miso.

Warum diese Kombination

Kombu liefert Glutaminsäure, Katsuobushi liefert Inosinat. Beide Stoffe erzeugen für sich Umami, zusammen verstärken sie sich gegenseitig deutlich. Dieser Verstärkungseffekt ist der Grund, warum Dashi mit zwei Zutaten intensiver schmeckt als jede einzelne von beiden allein.

Kombu nicht kochen

Bei Siedehitze geben die Algen Bitterstoffe und Schleimstoffe ab. Deshalb wird der Kombu vor dem Aufkochen herausgenommen, etwa bei 60 bis 70 Grad — erkennbar an den ersten kleinen Bläschen am Topfboden. Kaltes Einweichen über eine halbe Stunde oder über Nacht bringt zusätzlich Geschmack.

Der weiße Belag

Auf getrocknetem Kombu liegt oft ein weißer Film. Das ist kein Schimmel, sondern auskristallisiertes Mannit und Salz — und ein Geschmacksträger. Der Kombu wird deshalb nur mit einem feuchten Tuch abgewischt, nicht abgespült.

Miso: die Sorten

Dunkle Misopaste auf einem kleinen Teller
Helles Shiro-Miso ist mild und süßlich, dunkles Aka-Miso kräftig und salzig. Foto: User:Kentin, CC BY-SA 3.0

Wie es entsteht

Miso wird aus gekochten Sojabohnen hergestellt, die mit Salz und Kōji versetzt werden — einem Getreide, das mit dem Schimmelpilz Aspergillus oryzae beimpft wurde. Die Mischung reift je nach Sorte einige Wochen bis mehrere Jahre. Je länger die Reifung, desto dunkler und kräftiger das Ergebnis.

Shiro, Aka und Awase

Shiro-Miso ist hell, kurz gereift, mild und leicht süßlich — der beste Einstieg. Aka-Miso ist dunkelrot bis braun, lange gereift, salzig und kräftig. Awase ist eine Mischung aus beiden und ein guter Kompromiss für die Alltagssuppe.

Wie viel pro Portion

Als Faustzahl gilt ein Esslöffel Miso auf 250 Milliliter Dashi, also drei bis vier Esslöffel auf den Liter. Bei kräftigem Aka-Miso reichen drei, bei mildem Shiro dürfen es vier sein. Abgeschmeckt wird immer am Ende, weil die Sorten stark unterschiedlich salzen.

Aufbewahren

Miso hält im Kühlschrank sehr lange — die Paste ist durch Salz und Fermentation konserviert. Sie wird nach jeder Entnahme glatt gestrichen und der Deckel fest verschlossen. Dunkler werdende Ränder sind normal und kein Verderb.

Die Einlagen

Gebratene Tofuwürfel neben Reis und Salat auf einem Teller
Seidentofu zerfällt, fester Tofu bleibt in Form. Beides ist üblich. Foto: Erik Anestad, CC BY 4.0

Tofu

Seidentofu ist die traditionellere Wahl und zerfällt beim Umrühren zu weichen Flocken. Fester Tofu behält seine Würfelform und ist praktischer, wenn die Suppe transportiert wird. Beide werden nur erhitzt, nicht gekocht.

Wakame

Getrocknete Wakame quillt beim Einweichen auf etwa das Zehnfache. Ein Esslöffel trocken ergibt eine gute Portion für vier Schalen — wer die Menge zu großzügig bemisst, hat am Ende mehr Algen als Suppe.

Frühlingszwiebeln und was sonst geht

Das Grün der Frühlingszwiebel kommt roh in die fertige Suppe. Darüber hinaus sind Shiitake, Enoki, Daikon, Spinat, Kohl, Karottenscheiben, Kartoffelwürfel und Eier üblich. Feste Gemüse werden im Dashi mitgegart, bevor das Miso hineinkommt.

Die vegane Variante

Wakame-Salat in einer Schale
Getrocknete Wakame vervielfacht ihr Volumen. Ein Esslöffel reicht für vier Schalen. Foto: Arnaud 25, CC0

Shiitake statt Bonito

Getrocknete Shiitake enthalten Guanylat, einen weiteren Umami-Stoff, der mit dem Glutamat aus dem Kombu genauso zusammenwirkt wie das Inosinat der Bonitoflocken. Zwei Pilze auf einen Liter, 20 bis 30 Minuten in der Kombu-Brühe gezogen, ergeben ein vollwertiges pflanzliches Dashi.

Der Geschmacksunterschied

Shiitake-Dashi ist erdiger und dunkler als die klassische Version, die eher rauchig und meeresartig schmeckt. Für Misosuppe funktioniert es sehr gut, weil das Miso ohnehin den Ton angibt.

Auf Miso achten

Miso selbst ist in aller Regel vegan. Vorsicht gilt bei Fertigmischungen und Instant-Misosuppen, denen häufig Fischextrakt zugesetzt ist. Ein Blick auf die Zutatenliste klärt das.

Salz und Nährwerte

Wie salzig Miso ist

Miso enthält je nach Sorte zwischen etwa 5 und 13 Prozent Salz — es ist ein Konservierungsmittel und ein Teil des Herstellungsverfahrens. Eine Schale Suppe liegt damit im Bereich von etwa einem bis anderthalb Gramm Salz.

Die Empfehlung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Orientierung höchstens sechs Gramm Speisesalz am Tag. Eine Schale Misosuppe passt in diese Rechnung ohne Weiteres, zwei bis drei Schalen täglich neben anderen salzhaltigen Speisen werden eng.

Was sonst drinsteckt

Die Suppe ist kalorienarm und liefert über Tofu und Miso pflanzliches Eiweiß, über Wakame Jod. Der Jodgehalt von Algen schwankt allerdings stark und kann sehr hoch ausfallen — größere Mengen Wakame oder Kombu täglich sind deshalb nicht empfehlenswert.

Die drei häufigsten Fehler

Eine Frau rührt in einem großen Suppentopf
Die Misopaste wird in einer Kelle Brühe angerührt und erst dann in den Topf gegeben. Foto: Wonderlane, CC BY 4.0

Miso mitkochen

Der Klassiker. Nach dem Einrühren wird die Suppe nur noch heiß gehalten. Wer sie aufkocht, verliert Aroma und die lebenden Kulturen aus der Fermentation.

Miso direkt in den Topf geben

Die Paste löst sich in heißer Flüssigkeit schlecht und bleibt in Klümpchen hängen. Deshalb wird sie in einer Kelle Brühe vorgelöst. In Japan gibt es dafür ein eigenes Sieb, ein Esslöffel und eine kleine Schale tun es genauso.

Zu wenig Miso

Aus Vorsicht vor dem Salz wird die Paste oft zu sparsam dosiert, und die Suppe schmeckt nach warmem Wasser. Drei Esslöffel auf den Liter sind die untere Grenze. Wer Salz reduzieren will, verlängert besser mit mehr Einlage, statt das Miso weiter zu verdünnen.

Zu viel Einlage

Misosuppe ist eine klare, leichte Suppe mit zwei bis drei Einlagen, nicht ein Eintopf. Wer fünf Gemüse hineingibt, bekommt etwas anderes — schmackhaft, aber keine Misosuppe mehr.

Wie sie in Japan gegessen wird

Gedeckter Tisch mit Reis und kleinen Schalen
In Japan gehört die Suppe zum Frühstück wie zum Abendessen — neben Reis, nicht davor. Foto: サフィル, CC BY-SA 4.0

Neben dem Reis, nicht davor

Misosuppe ist keine Vorspeise. Sie steht zusammen mit Reis und den übrigen Schalen auf dem Tisch und wird abwechselnd mit den anderen Speisen gegessen. Beim traditionellen Frühstück gehört sie ebenso dazu wie am Abend.

Ohne Löffel

Die Schale wird angehoben und getrunken, feste Einlagen holt man mit Stäbchen heraus. Deshalb ist die Schale klein und hat keinen Henkel — und deshalb dürfen die Einlagen nicht zu groß geschnitten sein.

Täglich, aber saisonal

Die Grundbrühe bleibt gleich, die Einlage wechselt mit der Jahreszeit: im Frühjahr Bambussprossen und junger Kohl, im Sommer Auberginen, im Herbst Pilze, im Winter Daikon und Wurzelgemüse.

Einkaufen: was man wirklich braucht

Die Grundausstattung

Ein Beutel Kombu, ein Beutel Wakame, eine Packung Katsuobushi oder getrocknete Shiitake und ein Becher Misopaste. Alle vier sind lange haltbar, die getrockneten Zutaten über Monate. Damit steht Misosuppe jederzeit in zwanzig Minuten auf dem Tisch, ohne dass etwas Frisches im Haus sein muss.

Wo es das gibt

Asiatische Lebensmittelgeschäfte führen die größte Auswahl und die besseren Preise. In größeren Supermärkten stehen Miso und Wakame inzwischen ebenfalls im Regal, meist in kleinen Packungen. Bei Miso lohnt der Blick auf die Zutatenliste: Sojabohnen, Reis oder Gerste, Salz und Kōji — mehr sollte nicht drinstehen.

Was man sich sparen kann

Fertige Misosuppen-Beutel enthalten meist Geschmacksverstärker und deutlich mehr Salz, ohne schneller zu sein als eine Suppe aus Dashi-Pulver und Misopaste. Auch spezielle Suppenschalen sind nicht nötig; jede kleine Schüssel ohne Henkel funktioniert.

Häufige Fragen

Kann ich Instant-Dashi nehmen?

Ja, Dashi-Pulver ist in Japan völlig üblich und spart 20 Minuten. Es enthält meist zugesetztes Glutamat und Salz, weshalb man mit weniger Miso auskommt. Geschmacklich liegt es hinter frisch gezogenem Dashi, für den Alltag reicht es.

Wie lange hält die fertige Suppe?

Im Kühlschrank zwei Tage. Aufgewärmt wird bei mittlerer Hitze bis kurz vor dem Sieden. Wer weiß, dass Reste bleiben, rührt das Miso nur in die Menge ein, die auch gegessen wird, und bewahrt den Rest als reines Dashi auf.

Kann ich Misosuppe einfrieren?

Das Dashi ja, die fertige Suppe eher nicht: Tofu wird beim Einfrieren schwammig und Wakame matschig. Dashi lässt sich in Portionen einfrieren und macht die Suppe später zu einer Fünf-Minuten-Angelegenheit.

Schmeckt Misosuppe ohne Dashi?

Sie schmeckt dann vor allem salzig. Miso allein in heißem Wasser gerührt ergibt eine dünne, flache Brühe, weil der zweite Umami-Baustein fehlt. Wer kein Dashi hat, kommt mit einer milden Gemüsebrühe und einem getrockneten Pilz näher heran als mit reinem Wasser.

Wofür kann ich Miso sonst verwenden?

Als Würze in Marinaden für Auberginen und Fisch, in Salatdressings mit Sesamöl und Reisessig, in Butter für gegrilltes Gemüse oder als Tiefe in einer Gemüsesuppe. Ein Teelöffel ersetzt in vielen Gerichten Salz und Brühwürfel zugleich.

Quellen

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Clara, Redaktion geschmacksguru.com — sie schreibt hier über Rezepte, Zutaten und Küchentechnik.


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