Kartoffeln im Kühlschrank lagern: sinnvoll oder nicht?

Veröffentlicht am 26.09.2026 · Lesezeit 5 Min.

Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten

Rohe Kartoffeln gehören nach Empfehlung des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) nicht in den Kühlschrank. Die Kälte wandelt Stärke in Zucker um. Die Knollen schmecken dann süßlich und werden beim Braten schneller dunkel. Ideal sind 7 bis 10 Grad an einem dunklen, trockenen Ort. Gekochte Kartoffeln dagegen gehören in den Kühlschrank.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rohe Kartoffeln: dunkel, trocken, bei 7 bis 10 Grad
  • Im Kühlschrank werden sie süß und verlieren an Biss
  • Die britische Lebensmittelbehörde erlaubt den Kühlschrank seit einer neuen Studie
  • Gekochte Kartoffeln: abgedeckt in den Kühlschrank

Was im Kühlschrank mit Kartoffeln passiert

Ein Kühlschrank hat meist 4 bis 7 Grad. Das ist für Kartoffeln zu kalt. Die Knolle reagiert auf die Kälte und baut Stärke zu Zucker ab. Fachleute nennen das Kältesüße. Der Geschmack wird süßlich, die Konsistenz leidet. Das BZfE schreibt deshalb klar: Der Kühlschrank ist kein geeigneter Aufbewahrungsort für Kartoffeln.

Der Zucker hat eine zweite Folge. Beim Braten, Frittieren und Backen reagiert er mit einem Eiweißbaustein zu Acrylamid. Der Stoff steht im Verdacht, Krebs zu fördern. Die Verbraucherzentrale rät deshalb: Kartoffeln kühl und dunkel lagern, aber nicht im Kühlschrank.

Kurzantwort: Rohe Kartoffeln gehören laut BZfE und Verbraucherzentrale nicht in den Kühlschrank. Die Kälte macht sie süß und fördert beim Braten Acrylamid.

Neue Sicht aus Großbritannien

Die britische Lebensmittelbehörde Food Standards Agency (FSA) hat ihre Empfehlung geändert. Früher riet auch sie vom Kühlschrank ab. Eine neue Studie zeigte dann: Die Lagerung im heimischen Kühlschrank erhöht das Acrylamid-Potenzial nicht wesentlich. Ein unabhängiges Fachgremium hat die Studie geprüft. Seitdem schreibt die FSA, dass beide Orte in Ordnung sind. Wer so Lebensmittelabfälle vermeidet, darf rohe Kartoffeln also auch kühlen.

In Deutschland gilt die alte Empfehlung weiter. Für den Geschmack spricht ohnehin wenig für den Kühlschrank. Wer ihn trotzdem nutzt, sollte die Kartoffeln lieber kochen als frittieren. Beim Braten gilt: goldgelb statt dunkelbraun.

Rohe Kartoffeln richtig lagern

Das BZfE nennt vier einfache Regeln. Damit halten Kartoffeln wochen- bis monatelang.

  • Temperatur: 7 bis 10 Grad im Haushalt. Über 8 Grad keimen sie schneller.
  • Dunkel: Licht fördert grüne Stellen und das giftige Solanin.
  • Trocken und luftig: Jutesack, Papiertüte oder Holzkiste. Plastikbeutel sind ungeeignet, weil sich darin Feuchtigkeit und Schimmel bilden.
  • Getrennt von Zwiebeln: Sie lassen Kartoffeln schneller keimen und faulen.

Gute Orte sind ein kühler Keller, eine unbeheizte Speisekammer oder ein Schrank im Hausflur. Moderne, beheizte Keller sind oft zu warm. Frühkartoffeln halten kürzer. Ihre dünne Schale schützt sie schlechter. Wer keinen kühlen Ort hat, kauft besser kleinere Mengen und dafür öfter.

Beim Einkauf zählen feste Knollen ohne grüne Stellen, Keime und Druckstellen. Beschädigte Kartoffeln kommen zuerst auf den Tisch. An Druckstellen beginnt die Fäulnis schneller. Eine faule Knolle im Sack steckt die anderen an. Ein kurzer Blick einmal pro Woche verhindert das.

Lagerort Temperatur Eignung
Kühlschrank 4 bis 7 Grad zu kalt, Kartoffeln werden süß
Kühler Keller 7 bis 10 Grad ideal
Speisekammer, unbeheizt meist etwas über 10 Grad gut, Keime kommen früher
Küche Zimmertemperatur nur für wenige Tage

Gekochte Kartoffeln im Kühlschrank

Für gekochte Kartoffeln gilt das Gegenteil. Sie gehören nach dem Abkühlen in den Kühlschrank. Dort halten sie in einer geschlossenen Dose etwa zwei bis drei Tage. Am besten kommen sie innerhalb von zwei Stunden nach dem Kochen hinein. Bei Zimmertemperatur vermehren sich Keime schnell.

Kalte Pellkartoffeln vom Vortag sind sogar ideal für Bratkartoffeln. Sie zerfallen weniger in der Pfanne. Auch ein Kartoffelsalat ohne Mayonnaise gelingt mit gut gekühlten Kartoffeln besser. Wie lange die Knollen im Topf brauchen, steht im Beitrag zur Kochdauer von Kartoffeln.

Kurzantwort: Gekochte Kartoffeln gehören abgedeckt in den Kühlschrank. Dort halten sie etwa zwei bis drei Tage.

Was tun, wenn Kartoffeln im Kühlschrank lagen?

Kartoffeln aus dem Kühlschrank sind nicht verdorben. Sie lassen sich ganz normal kochen. Ein Trick mildert die Süße: Die Knollen ein bis zwei Tage bei Raumtemperatur liegen lassen. Dann wandelt sich ein Teil des Zuckers zurück in Stärke.

Zum Kochen, für Püree oder für eine cremige Kartoffelsuppe eignen sich gekühlte Kartoffeln gut. Beim Braten, Frittieren oder für Kartoffelecken aus dem Ofen helfen die Tipps der Verbraucherzentrale:

  • Frittierfett nicht über 175 Grad erhitzen.
  • Im Backofen mit Umluft höchstens 180 Grad wählen.
  • Backpapier unterlegen, damit die Stücke weniger bräunen.
  • Nur goldgelb garen, nicht dunkelbraun.

Grüne Stellen und Keime

Grüne Stellen und Keime enthalten Solanin. Das BZfE rät, sie großzügig wegzuschneiden. Stark gekeimte, überwiegend grüne oder schrumpelige Kartoffeln gehören in den Biomüll. Kochwasser von Kartoffeln sollte nicht weiterverwendet werden, weil ein Teil des Solanins hineingeht.

FAQ – Häufige Fragen

Darf man rohe Kartoffeln im Kühlschrank lagern?

Deutsche Stellen raten davon ab, weil die Kartoffeln süß werden. Die britische FSA hält den Kühlschrank seit einer neuen Studie für unbedenklich.

Warum werden Kartoffeln im Kühlschrank süß?

Unter etwa 4 bis 6 Grad baut die Kartoffel Stärke zu Zucker ab. Das heißt Kältesüße.

Sind Kartoffeln aus dem Kühlschrank giftig?

Nein. Sie bilden beim starken Erhitzen nur mehr Acrylamid. Kochen ist daher die bessere Zubereitung.

Wie lange halten gekochte Kartoffeln im Kühlschrank?

Etwa zwei bis drei Tage in einer geschlossenen Dose.

Welche Temperatur ist ideal für Kartoffeln?

Das BZfE nennt 7 bis 10 Grad für die Lagerung im Haushalt.

Können Kartoffeln neben Äpfeln liegen?

Besser nicht. Äpfel geben Ethylen ab. Das Reifegas lässt Kartoffeln schneller keimen.

Dürfen Kartoffeln im Plastikbeutel bleiben?

Nein. Darin sammelt sich Feuchtigkeit und es bildet sich leicht Schimmel. Papier oder Jute sind besser.

Kann man geschälte Kartoffeln aufbewahren?

Ja, in kaltem Wasser im Kühlschrank für etwa einen Tag. So werden sie nicht braun.

Kann man Kartoffeln einfrieren?

Roh werden sie beim Auftauen matschig. Gekocht oder als Püree lassen sie sich gut einfrieren.

Was tun gegen die Süße nach dem Kühlschrank?

Die Kartoffeln ein bis zwei Tage bei Raumtemperatur lagern. Ein Teil des Zuckers wird dann wieder zu Stärke.

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Quellen

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