Oven Chip Mystery

Backen macht glücklich: Blog, Studienlage und Rezepte

Kurzantwort: „Backen macht glücklich“ ist zweierlei: der Name eines Backblogs, den die Journalistin Kathrin Runge seit 2012 betreibt, und eine Aussage über Stimmung. Für die Aussage gibt es Hinweise aus der Positiven Psychologie: Eine Tagebuchstudie mit 658 Teilnehmenden fand mehr aktivierte positive Gefühle an Tagen nach alltäglicher kreativer Betätigung. Backen wurde darin nicht einzeln untersucht.

Wer den Satz googelt, landet fast immer auf demselben Blog. Er trägt den Titel seit 2012.

Die Formulierung hat sich trotzdem verselbstständigt. Sie steht auf Schürzen, Kaffeetassen und Buchdeckeln, weil sie eine Erfahrung beschreibt, die viele Leute teilen.

Hier steht beides: was hinter dem Namen steckt und was sich zum Zusammenhang von Backen und Stimmung tatsächlich belegen lässt.

Der Blog hinter dem Namen

Kathrin Runge ist ausgebildete Journalistin und betreibt den Blog seit 2012. Sie veröffentlicht zwei bis drei Rezepte pro Woche und hat aus dem Hobby einen Beruf gemacht.

In einem Interview vom September 2021 nannte sie rund acht Millionen Seitenaufrufe im Monat. Die ersten Jahre brachte der Blog kein Geld ein, ab dem dritten Jahr kamen die ersten Werbeanfragen.

Die Einnahmen kommen aus Werbeflächen und Kooperationen, bei denen Hersteller Backzutaten oder Küchengeräte testen lassen. Dazu kam später eine App, mit der Leserinnen sich ein eigenes Backbuch zusammenstellen können.

2023 erschien beim Verlag Dorling Kindersley ein Buch gleichen Titels mit über 80 Rezepten, ISBN 978-3-8310-4627-0.

Wenn du den Begriff also suchst und Rezepte erwartest, suchst du meistens diesen Blog — und nicht eine allgemeine Aussage über Wohlbefinden.

Was die Forschung zu kreativen Tätigkeiten zeigt

Die bekannteste Arbeit dazu stammt von Tamlin Conner, Colin DeYoung und Paul Silvia und erschien im „Journal of Positive Psychology“, Band 13, Heft 2, Seiten 181 bis 189.

658 Teilnehmende führten 13 Tage lang Tagebuch über ihre Tätigkeiten und ihre Stimmung. An Tagen nach überdurchschnittlich viel kreativer Betätigung berichteten sie mehr aktivierte positive Gefühle und mehr „flourishing“, also erlebtes persönliches Wachstum.

Die Studie fasste kreative Alltagstätigkeiten breit zusammen — Kochen und Backen gehörten dazu, wurden aber nicht getrennt ausgewertet.

Ein Beleg dafür, dass Backen im Besonderen glücklich macht, ist das damit nicht. Es ist ein Hinweis darauf, dass regelmäßiges Selbermachen mit der Stimmung des Folgetags zusammenhängt.

Warum Backen sich anders anfühlt als Kochen

Backen hat einen festen Anfang und ein festes Ende. Das Rezept gibt Mengen, Reihenfolge und Zeit vor. Diese Struktur nimmt Entscheidungen ab.

Die Handgriffe wiederholen sich: rühren, kneten, ausrollen, ausstechen. Solche gleichförmigen Bewegungen brauchen Aufmerksamkeit, aber keine Grübelei.

Dazu kommt ein sichtbares Ergebnis nach einer überschaubaren Zeitspanne. Wenige Alltagstätigkeiten liefern so schnell etwas Fertiges.

Und am Ende steht meistens jemand, dem du etwas hinstellst. Der soziale Teil gehört zur Sache dazu und lässt sich schwer vom Backen selbst trennen.

Rezepte, die entspannen statt zu stressen

Rührkuchen im Verhältnis 1:1:1:1 — je 200 Gramm Butter, Zucker und Mehl, vier Eier, ein Päckchen Backpulver. Zwanzig Minuten Arbeit, eine Stunde Ofen, kaum Fehlermöglichkeiten.

Mürbeteigplätzchen aus 300 Gramm Mehl, 200 Gramm Butter und 100 Gramm Zucker. Das Ausstechen ist der eigentliche Punkt, nicht das Ergebnis.

Hefezopf, wenn du Zeit hast. Die Gehzeiten zwingen zu Pausen, in denen du nichts tun kannst — genau das macht ihn zum Sonntagsprojekt.

Was du dir für gute Tage aufhebst: Macarons, Baiser und mehrstöckige Torten. Die drei bestrafen jede Unaufmerksamkeit sofort.

Wann Backen nicht hilft

Unter Zeitdruck kippt die Sache. Ein Kuchen, der in 40 Minuten fertig sein muss, weil Besuch kommt, erzeugt genau den Stress, den er nehmen sollte.

Auch Perfektionsanspruch arbeitet dagegen. Wer ein Bild aus dem Netz nachbauen will, bewertet am Ende sich selbst statt den Kuchen.

Und Backen ersetzt keine Behandlung. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit gehört der erste Weg zur Hausärztin, nicht in die Küche.

Als Ausgleich neben allem anderen taugt es dagegen gut — günstig, jederzeit verfügbar und ohne Anmeldung.

So kommst du in den Rhythmus

Ein fester Termin hilft mehr als ein guter Vorsatz. Sonntagvormittag, alle zwei Wochen, ohne Anlass.

Halte einen Grundvorrat bereit: Mehl, Zucker, Backpulver, Butter, Eier, Vanille, Kakao. Damit kannst du spontan anfangen, ohne einkaufen zu gehen.

Such dir drei Rezepte aus, die du wirklich kannst, und wiederhole sie. Sicherheit entsteht durch Wiederholung, nicht durch Abwechslung.

Und räum vorher auf. Eine leere Arbeitsfläche macht beim Backen mehr aus als jede teure Form.

Wiege alle Zutaten ab, bevor du anfängst. Dann läuft der ganze Vorgang ohne Unterbrechung durch, und genau dieses ununterbrochene Arbeiten ist der Teil, der entspannt.

Häufige Fragen

Wer steckt hinter „Backen macht glücklich“?

Die Journalistin Kathrin Runge. Sie betreibt den gleichnamigen Blog seit 2012 und veröffentlicht dort zwei bis drei Rezepte pro Woche.

Gibt es das Buch zum Blog?

Ja, 2023 bei Dorling Kindersley erschienen, mit über 80 Rezepten für Kuchen, Kekse und Muffins. Die ISBN lautet 978-3-8310-4627-0.

Ist wissenschaftlich belegt, dass Backen glücklich macht?

Für Backen allein nicht. Belegt ist ein Zusammenhang zwischen alltäglicher kreativer Betätigung und positiver Stimmung am Folgetag, gemessen an 658 Personen über 13 Tage.

Welches Rezept eignet sich, wenn ich abschalten will?

Etwas mit vielen ruhigen Handgriffen und wenig Zeitdruck: Mürbeteigplätzchen, Hefezopf oder ein einfacher Rührkuchen.

Was tun, wenn der Kuchen misslingt?

Aufschreiben, was anders war — Temperatur, Backzeit, Zutatentemperatur. Beim zweiten Versuch nur eine Stellschraube ändern, sonst weißt du hinterher nichts.

Backen mit anderen oder allein?

Beides funktioniert. Allein bekommst du den ruhigen Rhythmus, zu zweit den sozialen Teil. Mit Kindern wird es lauter und dauert länger, dafür bleibt mehr hängen.

Quellen

Conner, DeYoung, Silvia: Everyday creative activity as a path to flourishing, Journal of Positive Psychology 13(2)
Ecovis: Interview mit Bloggerin Kathrin Runge
Dorling Kindersley: Backen macht glücklich (Buch)

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Marie, Redaktion geschmacksguru.com — sie kocht hier und schreibt die Rezepte auf.


Nach oben scrollen