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Backen ohne Zucker: Rezepte, Mengen und was wirklich geht

Kurzantwort: Zucker lässt sich im Teig ersetzen, aber nie eins zu eins. Er süßt, hält Feuchtigkeit, bräunt die Kruste und macht den Krümel zart. Am besten funktionieren Obstpürees wie Dattelmus, Apfelmus oder zerdrückte Banane für saftige Rührkuchen und Erythrit oder Xylit für Kekse und Streusel. Rechne bei Erythrit rund ein Drittel mehr Menge ein, weil seine Süßkraft unter der von Zucker liegt.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit 2015, freie Zucker auf unter zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen, besser noch unter fünf Prozent. Bei 2.000 Kilokalorien sind das rund 50 beziehungsweise 25 Gramm am Tag. Ein Stück Blechkuchen kann diese Menge allein ausschöpfen.

Beim Backen macht Zucker aber mehr als süßen. Er bindet Wasser, deshalb bleibt ein zuckerhaltiger Kuchen länger frisch. Er bräunt in der Hitze, deshalb sieht zuckerfreies Gebäck oft blass aus. Und er hält den Teig locker, weil er das Fett beim Aufschlagen mit Luft füllt.

Wer das weiß, plant anders. Hier stehen die Ersatzstoffe mit ihren Eigenheiten und drei Rezepte, die ohne Haushaltszucker verlässlich gelingen.

Was Zucker im Teig leistet

Der Rührteig ist das beste Beispiel. Butter und Zucker werden schaumig gerührt — die Zuckerkristalle schlagen dabei winzige Luftblasen in das Fett. Ohne diese Kristalle fehlt dem Kuchen ein Teil seines Volumens.

In der Hitze passiert das Zweite. Zucker karamellisiert und reagiert mit Eiweiß zur Bräunung. Genau daher kommt die goldbraune Kruste. Erythrit karamellisiert kaum, Stevia gar nicht.

Und Zucker ist hygroskopisch, er zieht Wasser an. Ein Kuchen ohne Zucker trocknet schneller aus. Deshalb lohnen sich hier feuchte Zutaten wie Quark, Apfelmus oder geriebene Zucchini.

Im Hefeteig kommt eine vierte Aufgabe dazu: Zucker ist Futter für die Hefe. Ganz ohne geht der Teig langsamer auf. Ein Teelöffel reicht dafür aus, den Rest der Süße kann Obst übernehmen.

Süßen mit Obst: Dattel, Banane, Apfelmus

Dattelmus ist die kräftigste Variante. 200 Gramm entsteinte Datteln 20 Minuten in heißem Wasser einweichen, abgießen, mit etwas Einweichwasser pürieren. Das Mus ersetzt in Rührteig etwa 150 Gramm Zucker plus einen Teil der Flüssigkeit.

Reife Bananen bringen Süße und Bindung zugleich. Zwei zerdrückte Bananen ersetzen rund 100 Gramm Zucker und ein Ei. Je brauner die Schale, desto süßer das Fruchtfleisch.

Apfelmus ohne Zuckerzusatz ist der mildeste Ersatz. 100 Gramm Apfelmus stehen für etwa 60 Gramm Zucker, dafür musst du 30 Milliliter Flüssigkeit aus dem Rezept streichen.

Alle drei bringen ihren Eigengeschmack mit. In Schokoteig fällt das kaum auf, in einem hellen Vanillekuchen dagegen deutlich.

Praktisch bewährt hat sich eine Mischung. Ein Teil Dattelmus für die Süße, ein Teil Apfelmus für die Feuchtigkeit, dazu Zimt oder Vanille, die Süße nur vortäuschen. Der Teig wird dadurch weicher, also nimm 20 bis 30 Milliliter Milch weniger als im Rezept angegeben.

Erythrit, Xylit und Stevia im Teig

Erythrit und Xylit sind Zuckeraustauschstoffe und in der Zutatenliste als E 968 und E 967 zu finden. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass beide zwar aus pflanzlichen Rohstoffen stammen, aber industriell hergestellt werden.

Erythrit süßt schwächer als Zucker, du brauchst also mehr davon. Es hat einen kühlenden Effekt auf der Zunge, der in Schokoladenteig weniger auffällt als in hellem Gebäck. Xylit süßt etwa so stark wie Zucker und lässt sich eins zu eins tauschen.

Beide Stoffe können in größeren Mengen abführend wirken und Blähungen auslösen. Für Hunde ist Xylit giftig — ein Kuchen mit Xylit gehört außer Reichweite.

Stevia in Form von Steviolglycosiden süßt extrem stark und ersetzt deshalb kein Volumen. Für Teig taugt es nur zusammen mit einem Füllstoff, etwa gemahlenen Mandeln oder Erythrit.

Ein praktischer Hinweis zu Erythrit: Es kristallisiert beim Abkühlen wieder aus. Ein Guss aus Erythrit wird hart und knirscht. Wer eine Glasur will, nimmt besser Zartbitterschokolade mit hohem Kakaoanteil oder verzichtet ganz darauf.

Drei Rezepte ohne Zucker

Bananenbrot. Drei sehr reife Bananen zerdrücken, mit zwei Eiern, 80 Gramm Öl und 150 Gramm Joghurt verrühren. 250 Gramm Dinkelmehl, ein Päckchen Backpulver und einen Teelöffel Zimt unterheben. 50 Minuten bei 175 Grad in der Kastenform.

Haferkekse. 200 Gramm zarte Haferflocken, zwei zerdrückte Bananen, 60 Gramm gehackte Nüsse und eine Handvoll Rosinen mischen. Mit zwei Löffeln kleine Häufchen aufs Blech setzen, 15 Minuten bei 180 Grad.

Apfel-Quark-Auflauf. 500 Gramm Magerquark, drei Eier, 40 Gramm Speisestärke und Abrieb einer Zitrone verrühren, drei geriebene Äpfel unterheben. In der Auflaufform 35 Minuten bei 180 Grad. Süße kommt allein aus dem Apfel.

Alle drei Rezepte kommen ohne Waage aus, wenn du einen Messbecher mit Grammskala hast. Und alle drei vertragen Abwandlung: Nüsse gegen Kerne tauschen, Zimt gegen Kardamom, Dinkelmehl gegen Vollkornmehl. Bei Vollkornmehl brauchst du etwa 20 Milliliter mehr Flüssigkeit, weil die Schalenanteile Wasser binden.

Was „ohne Zucker“ auf der Packung bedeutet

„Ohne Zuckerzusatz“ heißt, dass kein Zucker zugegeben wurde. Der Fruchtzucker aus Datteln, Rosinen oder Saftkonzentrat darf trotzdem drin sein — und der zählt ernährungsphysiologisch mit.

„Zuckerfrei“ darf ein Produkt erst heißen, wenn es höchstens 0,5 Gramm Zucker je 100 Gramm enthält. Bei selbst gebackenem Kuchen mit Dattelmus trifft das nicht zu, auch wenn kein Haushaltszucker im Rezept steht.

Für die eigene Küche heißt das: Der ehrlichere Maßstab ist die Gesamtmenge an Zucker im Stück, egal woher sie stammt. Bei einem Bananenbrot aus drei Bananen, aufgeteilt auf zwölf Scheiben, stammt der Zucker vollständig aus dem Obst und verteilt sich auf kleine Portionen. Bei einem klassischen Marmorkuchen mit 250 Gramm Zucker im Teig liegt allein der zugesetzte Zucker bei rund 20 Gramm je Stück.

Häufige Fragen

Welche Rezepte ohne Zucker gelingen Anfängern am sichersten?

Bananenbrot und Haferkekse. Beide brauchen keine feine Teigführung und werden durch das Obst automatisch saftig.

Kann ich Zucker in jedem Rezept einfach weglassen?

Nein. In Rührteig fehlt dann Volumen, in Hefeteig das Futter für die Hefe, in Baiser die Struktur. Ersetzen ist verlässlicher als streichen.

Wie viel Erythrit statt Zucker?

Rechne mit rund einem Drittel mehr als der Zuckermenge im Rezept und schmecke den Teig ab, bevor er in den Ofen kommt.

Ist Honig oder Kokosblütenzucker besser als Zucker?

Ernährungsphysiologisch kaum. Beide bestehen ganz überwiegend aus Zucker und zählen zu den freien Zuckern.

Warum bleibt mein zuckerfreier Kuchen blass?

Ohne Zucker fehlt die Bräunungsreaktion. Ein Löffel Kakao, dunkles Mehl oder fünf Minuten mehr Backzeit gleichen das optisch aus.

Hält Gebäck ohne Zucker genauso lange?

Nein, es trocknet schneller. Backe kleinere Mengen oder friere Portionen direkt nach dem Abkühlen ein.

Quellen

WHO: Empfehlung zur Reduktion der Zuckeraufnahme (2015)
Verbraucherzentrale: Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe
Verbraucherzentrale: Alternative Süßmacher im Trend
Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 — nährwertbezogene Angaben, Anhang

Das passt dazu

Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:

Geschrieben von Marie, Redaktion geschmacksguru.com — sie kocht hier und schreibt die Rezepte auf.


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